Gemeinsam gegen Covid-19: Unterstützung für Lateinamerika und die Karibik

Nora Löhr • 25 September 2020
0 comments
0 likes

Vor einem Jahr rief Außenminister Heiko Maas eine Initiative ins Leben, die zum Ziel hat, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Lateinamerika und der Karibik zu stärken. Gerade in der Covid-19-Pandemie zeigt sich im Moment, wie wichtig die Zusammenarbeit mit anderen Staaten und Organisationen ist. Gemeinsam suchen wir nach Wegen, um die Pandemie und ihre wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen zu bekämpfen. Lateinamerika und die Karibik sind mit 8,4 Mio. registrierten Covid-19-Infektionsfällen und 320.000 verzeichneten Todesopfern derzeit die am Schlimmsten von der Pandemie betroffene Weltregion. Deshalb steht Deutschland den Ländern dort in dieser Situation auf vielfältige Art und Weise zur Seite: Sei es mit durch Erfahrungs- und Wissensaustausch, Unterstützung für die Zivilgesellschaft oder die Bereitstellung von Beatmungsgeräten für Krankenhäuser in Bolivien oder Krankenhausbetten für Paraguay.

Mit Gesundheitsexpertise die Pandemie bekämpfen…

Um lokale Ausbrüche einzudämmen, entsendet Deutschland Epidemiologinnen und Epidemiologen als Teil sog. „Schnell Einsetzbare Expertengruppen Gesundheit“ (SEEG) in die Region. Durch kurzfristige Einsätze vor Ort helfen sie dabei, Krankheitsausbrüche möglichst früh zu erkennen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Erste Einsätze in Kolumbien, Peru, Mexiko und Ecuador wurden schon abgeschlossen, weitere sind in Planung. Mittel- bis langfristig soll daraus im Rahmen des Pandemiedialogs ein Expertennetzwerk entstehen - für eine vertiefte und nachhaltige Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Um dringende Projekte auch finanziell zu unterstützen, hat die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO), die Regionalorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zehn Mio. Euro erhalten.

Frauen in der Krise helfen

Der Ausbruch von Covid-19 hat bereits bestehende soziale, politische und wirtschaftliche Ungleichheiten weltweit verschärft. Von der Corona-Pandemie sind in Lateinamerika und der Karibik im besonderen Maße Frauen und Mädchen betroffen: Die Pandemie trifft sie härter, weil ihre Arbeitsplätze häufig unsicherer sind. Sie bilden die Mehrheit in den sogenannten „Care-Berufen“ und sind dem Virus dort stärker ausgesetzt. Des Weiteren haben die flächendeckend verhängten Ausgangssperren die geschlechtsspezifische Gewalt verschärft: So hat laut den Vereinten Nationen die häusliche Gewalt in einigen Ländern Lateinamerikas und der Karibik um bis zu 80% zugenommen. Dies bedroht die Sicherheit von Frauen und Mädchen. Unterstützungs- oder Präventionsangebote für Betroffene sind vielerorts gestört oder aufgrund der Pandemie nicht zugänglich.

Das unter der Schirmherrschaft von Außenminister Maas im Jahr 2019 gegründete Unidas-Netzwerk von und für Frauen aus Deutschland, Lateinamerika und der Karibik zielt darauf ab, Chancengleichheit in der Region zu fördern. Hierzu sollen Frauen in Politik, Medien, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft sichtbarer werden und verstärkt Führung übernehmen. Mit der Corona-Pandemie und der mit ihr verbundenen sozialen Isolation wird auch die digitale Vernetzung immer wichtiger. Daher soll die Unidas-Kommunikationsplattform stärker für den Austausch und die Wissensvermittlung genutzt werden. Hierfür wird das Angebot an Online-Events und digitalen Seminaren kontinuierlich ausgebaut. Im August und September fanden im Rahmen des Unidas Frauennetzwerkes zwei erste Webinare zum Thema der Auswirkungen der Covid19 Pandemie auf die Situation der Frauen in Lateinamerika und der Karibik statt. Die im Rahmen von Unidas geförderten zivilgesellschaftlichen Projekte (zurzeit vier Projekte in fünf Ländern) wurden ebenso an die neuen Herausforderungen angepasst, die sich durch die Corona-Pandemie ergeben haben.

Wirtschaftliche Folgen der Krise abfedern

Der Einbruch der Weltwirtschaft hat auch für Lateinamerika und die Karibik gravierende Folgen. Zur Entlastung besonders stark betroffener Länder in der Region hat der IWF ein Kreditpaket von ca. 100 Mrd. US-Dollar geschnürt. Deutschland hat sich im Kreis der G20 und des Pariser Clubs dafür starkgemacht, zudem die Schulden von 77 Ländern ab Mai 2020 zu stunden.

Wie bei allen internationalen Herausforderungen gilt auch bei der Covid-19-Pandemie: Krisen lassen sich am besten bewältigen und überwinden, wenn alle an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten. Daher hat auch die Weltbank in 14 lateinamerikanischen Ländern kurzfristig über 700 Mio. US-Dollar bereitgestellt. Auch die Europäische Union unterstützt die Region im Rahmen der „EU Global Response to COVID-19“ mit rund 1,537 Mrd. Euro bei der Bekämpfung von COVID-19. Damit zählen Deutschland und die EU in der Corona-Krise zu den weltweit größten humanitären Gebern.

Was Außenminister Heiko Maas vor einem Jahr beim Start der Initiative gesagt hat, gilt auch heute noch: Die Partnerschaft mit Lateinamerika und der Karibik beruht auf gemeinsamen Werten und Prinzipien, die uns auch über den Atlantik hinweg zu Nachbarn machen. In guten Zeiten, aber umso mehr in Zeiten der Corona-Pandemie.